Die bunte Kiste – Scholz Monatsbilderbuch
Die Kinderzeitschrift „Die bunte Kiste: Scholz Monatsbilderbuch für Kinder“ ist ein bedeutendes Dokument der deutschen Mediengeschichte der Nachkriegszeit, das zwischen 1946 und 1954 im Verlag Jos. Scholz-Mainz erschien. Veröffentlicht unter der Zulassungsnummer US-W-2008 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung, spiegelt die Heftserie den Wandel von der unmittelbaren materiellen Not der Trümmerjahre hin zum beginnenden Wirtschaftswunder wider.
1. Herausgeberschaft und Produktion
Die Zeitschrift wurde in Wiesbaden (Rosenstraße 3) von Edith Scholz (später Hofmann-Scholz) herausgegeben. Die künstlerische Gesamtgestaltung verantwortete Fritz Westenberger, während die Schriftleitung ab Heft 6 des ersten Jahrgangs in den Händen von Lili Börsch lag. Gedruckt wurden die Hefte zunächst bei Illert & Ewald in Steinheim, später in der Mainzer Verlagsanstalt. Das markante quadratische Format (19 x 19 cm) blieb über alle acht Jahrgänge hinweg bestehen.
2. Pädagogisches Konzept und Inhalte
Unter dem Leitmotiv „Zum Lesen und Schauen, zum Spielen und Basteln“ verfolgte die Redaktion einen ganzheitlichen Ansatz. Die Kinder wurden oft persönlich von der fiktiven Figur „Tante Bitz“ (Lili Börsch) angesprochen, was eine starke Leserbindung schuf.
Wissensvermittlung: Neben Märchen (Grimm, Andersen) bot die Serie Naturkunde (z. B. Metamorphose der Libelle) und technische Erklärungen (z. B. „Vom Korn zum Brot“).
Interaktion: Ein Markenzeichen waren die im Mittelteil platzierten Brettspiele, Bastelanleitungen (z. B. Musikinstrumente aus Zigarrenkisten) und Ausschneidebögen.
Preis und Auflage: Der Preis blieb mit 0,50 RM/DM über Jahre stabil. Die Auflage stieg von anfänglich 50.000 auf bis zu 140.000 Exemplare im Jahr 1948 an.
3. Die Zeitschrift als Zeitspiegel
Die „Bunte Kiste“ dokumentiert den harten Alltag der Nachkriegsjahre:
Mangelwirtschaft: In den frühen Jahrgängen wurde zum Basteln mit Abfallmaterialien wie alten Röntgenplatten oder Papierresten aufgerufen.
Soziale Themen: Geschichten wie „Die rote Milchkanne“ thematisierten Flucht, Vertreibung und die Suche nach vermissten Vätern.
Internationale Hilfe: Der Beitrag „Die rote Dose“ verdeutlichte die Bedeutung von CARE-Paketen aus den USA.
Modernisierung: Ab 1950 wandelte sich der Fokus hin zu Reisen (z. B. Japan, Schweden) und Themen wie der Verkehrserziehung.
4. Künstlerische Gestaltung und Illustratoren
Visuell wurde die Zeitschrift von einem festen Stamm an Spitzenillustratoren geprägt:
Fritz Westenberger: Gestalterischer Kopf, verantwortlich für Layout, Titelbilder und Spiele.
Magda Heller: Spezialistin für feine, sakrale Linienführung bei Legenden und Märchen.
Rita Trapp: Zuständig für dynamische Alltagsszenen, Sport und Technik und einige Titelbilder
Martha Bertina: Bekannt für farbenfrohe Reiseberichte und Naturbeilagen.
Weitere Kernkünstler: Gisela Voh (Botanik), Katrin Höngesberg (Tierfabeln), Fritz Baumgarten (Zwerge) und Ursula von Falckenstein (Bastelteil).
Besonderheit: In der systematischen Analyse der Textquellen blieb die Mitwirkung von Else Wenz-Vietor zunächst unerwähnt. Eine visuelle Analyse des Originalumschlags von Jahrgang 5, Heft 3 (1950) belegt jedoch durch ihre deutliche Signatur „EWenz-Vietor“ ihre Beteiligung an der Serie. Ab ca. 1951 (Jahrgang 5/6) öffnete sich die Redaktion verstärkt für Gast-Illustratoren wie Beatrice Braun-Fock, Berti Breuer-Weber oder Lore Friedrich-Gronau, um modernere Stile zu integrieren.
Die Heftjahrgänge
Der Heftjahrgang beginnt im Monat Oktober. So ist Heft 12 immer die September-Ausgabe. Diese Jahrgänge sind erschienen:
1. Jahrgang – Oktober 1946 bis September 1947
2. Jahrgang – Oktober 1947 bis September 1948
3. Jahrgang – Oktober 1948 bis September 1949
4. Jahrgang – Oktober 1949 bis September 1950
5. Jahrgang – Oktober 1950 bis September 1951
6. Jahrgang – Oktober 1951 bis September 1952
7. Jahrgang – Oktober 1952 bis September 1953
8. Jahrgang – Oktober 1953 bis September 1954
Sammelmappen
Für die Hefte gab es Sammelmappen mit einer Gummibandhalterung. Diese ermöglicht das Hinzufügen und Entnehmen einzelner Hefte. Jede Sammelmappe bot Platz für einen kompletten Jahrgang.

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