Josef Danilowatz: Zwischen technischer Präzision und künstlerischer Fantasie
Josef Danilowatz (1877–1945) ist heute vor allem Sammlern technischer Spielwaren ein Begriff – seine Titelseiten für die Märklin-Kataloge sind legendär. Doch der Wiener Akademie-Absolvent hinterließ auch in der Welt der Kinderbücher bedeutende Spuren. Besonders interessant für die Verlagsgeschichte ist seine Zusammenarbeit mit dem Pestalozzi Verlag (Nachfolger von G. Löwensohn) und der Verlegerin Dr. Karoline Bernheim in den letzten Jahren seines Lebens.
Von der Karikatur zur Leidenschaft für Technik
Nach seinem Studium an der Wiener Akademie erlangte Danilowatz zunächst als Grafiker und Karikaturist der Wochenzeitschrift „Die Muskete“ große Beliebtheit. Sein scharfer Blick für Details und seine Aufenthalte im Hafen von Triest weckten in ihm eine tiefe Faszination für Schiffe, Eisenbahnen und technische Anlagen. Diese Begeisterung prägte sein gesamtes Schaffen: Ob in seinen berühmten Arbeiten für Märklin oder in seinen „Künstler-Bilderbüchern“ wie „Mit Vollgas!“, Danilowatz verstand es wie kaum ein anderer, technische Dynamik kindgerecht und ästhetisch darzustellen.
Die späten Jahre: Pestalozzi Verlag und die Serie 9400
Mitten im Zweiten Weltkrieg, Ende 1943, taucht Josef Danilowatz in den Honorarlisten des Pestalozzi Verlages auf. Er gehörte zu einem exklusiven Kreis österreichischer Künstler, die im April 1944 von Dr. Karoline Bernheim nach Wien eingeladen wurden, um eine ambitionierte neue Bilderbuch-Serie (die Serie 9400) zu entwerfen.
Obwohl die Kriegswirren die Veröffentlichung vieler Projekte verhinderten, sind seine Beiträge für den Verlag dokumentiert und teilweise in der Nachkriegszeit erschienen:
1943: Technisches Malbuch (Nr. 3736) Ein Werk, das seine Expertise im Bereich Technik direkt in die Hände der Kinder legte.
1943: Der Spielzeugschrank (Nr. 3850) Basierend auf einem Auftrag vom Dezember 1943, zeigt dieses Buch seine Vielseitigkeit abseits der reinen Technik.
Das Projekt „Pitsch, patsch, das Wasser“ (Nr. 9400/6) Geplant als Teil der 12-bändigen Serie 9400, ist dieses Werk in seiner ursprünglichen Form vermutlich nie erschienen, bleibt aber ein wichtiges Dokument der Verlagsplanung von 1944.
Nachkriegsausgaben & Dr. Bernheim
Nach 1945 wurden unter der Regie von Dr. Karoline Bernheim (gedruckt im Pestalozzi Verlag) noch Werke mit seinen Bildern realisiert, darunter:
- „Es war einmal... Ferienreise vor 100 Jahren“ (Nr. 905 / 1051, Text von Maria Sauer).
- „Vom Wasser“ (erschienen 1948 im Dr. K. Bernheim Verlag).
Josef Danilowatz verstarb kurz nach Kriegsende im November 1945. Sein Erbe im Pestalozzi Verlag markiert einen faszinierenden Schnittpunkt zwischen technischer Dokumentation und der hohen Kunst des Wiener Bilderbuchs.