Charly Greifoner: Ein Phantom hinter den Klassikern der Nachkriegszeit
In der Kinderbuchkunst der 1950er Jahre gibt es kaum eine Handschrift, die so präsent und doch so rätselhaft ist wie die von Charly Greifoner. Bis heute ist ungeklärt, ob sich hinter dem Namen ein Illustrator oder eine Illustratorin verbirgt – biografische Daten fehlen fast völlig. Dennoch sind die Werke Greifoners aus den Kinderzimmern der Wirtschaftswunderzeit nicht wegzudenken. Besonders die Zusammenarbeit mit dem Pestalozzi Verlag (dem Nachfolger von G. Löwensohn) brachte einen der größten Longseller der deutschen Nachkriegsliteratur hervor: „Die Struwwelliese“.
Die „Struwwelliese“: Ein Bestseller und seine Zensur
Das Jahr 1949 markiert einen Meilenstein in Greifoners Schaffen. Für ein Honorar von damals beachtlichen 1.000,- DM stellte Greifoner die Illustrationen für „Die Struwwelliese“ (Text von Cilli Schmitt-Teichmann) fertig. Die Originalfassung von 1949 ist heute eine bibliophile Rarität, denn sie unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von allen späteren Ausgaben: Zwei der ursprünglichen Bilder wurden von Kritikern als „nicht kindgerecht“ eingestuft.
Originalfassung von 1949 | abgemilderte Fassung nach 1950 |
Originalfassung von 1949
| abgemilderte Fassung nach 1950
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Um das Buch massentauglich zu machen, mussten diese Szenen in späteren Auflagen abgemildert werden. Dieser Eingriff zeigt, wie sehr sich das Erziehungsideal der Nachkriegszeit im Wandel befand.
Chronologische Werksübersicht: Zehn Jahre Pestalozzi Verlag
Greifoners Stil – charmant, detailreich und typisch für den Optimismus der 1950er Jahre – prägte über ein Jahrzehnt das Gesicht des Pestalozzi Verlages. Die folgende Liste verdeutlicht die enorme Produktivität:
1948 – 1949 (Die frühen Nachkriegsjahre)
- 1948 (N-1266-1088): Viele Sachen die Freude machen
- 1949 (N-1266-981): Einmal alles dürfen
- 1949 (1800-2 / 1802): Zehn kleine Mietzekätzchen
- 1949 (1805): Puck und seine Tiere (Ein weiterer Klassiker der Zeit)
- 1949 (1806): Zehn kleine Häschen
- 1949 (33/34): Die Struwwelliese (Originalfassung)
| 1952 – 1955
- 1952 (1451): Hasso mit dem Lasso
- 1953 (3451): Hokus Pokus Simsalabim
- 1954 (82 O): Mutti, wann kommt denn der Osterhase
- 1955 (83-O-2): Fertig-Los!
- 1955 (83-O-3): Osterhase motorisiert sich!
- 1955 (1810): Puck und Puckis Tiere
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1956 – 1957
- 1956 (22): Das gute Tier was schenkt es mir
- 1956 (1900-4): Unsere lieben Tiere
- 1956 (2380-3): Eine tolle Fahrt!
- 1956 (28-2): Das übereifrige Pummelchen
- 1956 (70-1): Kuckuck, wo bist du
- 1957 (1559-2): Bimm und Bumm (Besonderheit: Buch mit beweglichen Bildern)
| 1958
- 1958 (1710-1): Kleine Leute - große Reise
- 1958 (1710-2): Frohe Ferientage
- 1958 (1800-9): Hinter den sieben Bergen...Fensterbilderbuch
- 1958 (1713-1): ...mal schnell um die Welt
- 1958 (1715-1): Aus Hof und Stall (Aufstellbuch)
- 1958 (1800-1807): Zehn kleine Indianerlein
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Greifoners Beitrag zur deutschen Kinderbuchkultur bleibt trotz der spärlichen biografischen Fakten bedeutend. Die Werke für den Pestalozzi Verlag sowie Arbeiten für „Schwager & Steinlein“ und den „Vereinigten Kunstverlag Senkeisen“ sichern Charly Greifoner einen festen Platz in der Illustrationsgeschichte.