Friedl Weyss-Lampel: Wiener Eleganz und vielseitige Gestaltung
Die Wiener Schule der Illustration hat das Erscheinungsbild des Pestalozzi Verlages über Jahrzehnte maßgeblich geprägt. Eine ihrer profiliertesten Vertreterinnen war Friedl Weyss-Lampel (geb. 1919). Als akademisch ausgebildete Künstlerin und Designerin brachte sie eine besondere Leichtigkeit und grafische Finesse in das Verlagsprogramm ein. Ihr Werk umfasst nicht nur klassische Bilderbücher, sondern auch innovative Beschäftigungsmedien wie Ausschneidebögen und Malbücher, die sie unter verschiedenen Namensvarianten wie Friedl Lampel oder Weyss-Lampl veröffentlichte.
Von der Akademie zur freischaffenden Kunst
Nach ihrer Matura schlug Friedl Weyss-Lampel eine akademische Laufbahn ein und studierte an der renommierten Akademie der bildenden Künste in Wien bei Professor Dachauer. Diese fundierte Ausbildung bildete das Fundament für ihre bis 1954 andauernde freischaffende Tätigkeit. Neben ihrer Arbeit für Kinderbuchverlage machte sie sich auch als Designerin und Gestalterin von Briefmarken einen Namen, was ihre Fähigkeit unterstreicht, komplexe Inhalte auf kleinstem Raum präzise und ansprechend darzustellen.
Die Pestalozzi-Jahre: Zwischen Kriegswirren und Neuanfang
Die Zusammenarbeit mit dem Pestalozzi Verlag begann bereits 1941 und ist ein Spiegelbild der turbulenten Verlagsgeschichte zwischen Kriegsproduktion und dem späteren Wirtschaftswunder.
Die frühen Werke und das Rätsel der Serie 9400:
- 1941 (N-1266-1281): Was meinem Kindchen schmeckt (Vertrag vom 05.02.1941)
- 1942 (943): Durchs ganze Jahr! (Vertrag vom 25.12.1942)
- 1942 (N-1266-916): Lirum-Larum-Löffelstiel meine Kinder essen viel
1944 (9400/10): „Auf der Donau sind wir fahren“ (Text von Fanny Prechter).
Dieses Buch ist ein besonderes Stück Verlagsgeschichte: Der Vertrag (Nr. 1841) sah eine Abgabe der Bilder bis Oktober 1944 vor. Aufgrund der Kriegslage ist das Erscheinen der geplanten 12-bändigen „Serie 9400“ jedoch zweifelhaft; Originalbelege für eine Veröffentlichung fehlen bis heute.
Rückkehr und Erfolg in der Nachkriegszeit:
Nach einer längeren Pause taucht Weyss-Lampel ab 1958 wieder verstärkt in den Verlagsunterlagen auf, wobei sie nun verstärkt den Trend zu interaktiven Büchern bediente:
- 1958: Ausschneidebogen „Mädelchen“ sowie das Malbuch „Junge malt“.
- 1959: Heinzelmännchen treiben Sport (Ein zeittypisches Werk, das Sport und Fantasie verband).
- 1960: Ausschneidebögen „Gudrun“ (Nr. 40) und „Rosemarie“.
- 1961: Was unseren Tieren schmeckt – eine thematische Rückkehr zu ihren erfolgreichen Anfängen von 1941.
Das Werk von Friedl Weyss-Lampel zeigt eindrucksvoll, wie eine Künstlerin den Spagat zwischen klassischer Illustration und modernem Grafikdesign meisterte und dem Pestalozzi Verlag über zwei Jahrzehnte hinweg ein unverwechselbares Gesicht verlieh.