past children's  books
Meine Sammlung - Alte Kinder- und Jugendliteratur


Die Jules-Verne-Edition des Verlags Neues Leben (1971–1990)

Zwischen 1971 und 1990 schuf der Berliner Verlag Neues Leben (NL) einen Meilenstein für DDR-Leser: Eine großformatige, optisch einheitliche Jules-Verne-Reihe. Die Edition umfasst insgesamt 28 Bände, die durch die geschickte Kombination von Einzel- und Doppelbänden (wie etwa Robur der Sieger / Der Herr der Welt) insgesamt 33 Romane des französischen Visionärs zugänglich machten.

Die Wurzeln der Reihe

Obwohl das markante Design erst 1971 eingeführt wurde, reichten die inhaltlichen Wurzeln weit tiefer. Lizenznummern und Auflagenbelege beweisen, dass einige Vorlagen bereits aus den 1950er-Jahren stammten. Die Reihe speiste sich aus verschiedenen Quellen: Neben Inhalten der Taschenbuchserie KOMPASS dienten vor allem Titel der Reihe SPANNEND ERZÄHLT als Fundament für die Neugestaltung.

Zwischen Adaption und Kürzung

Ein kritischer Blick auf die Editionsgeschichte offenbart qualitative Unterschiede bei den Textgrundlagen. Da nur selten Neuübersetzungen beauftragt wurden, griff man häufig auf ältere Fassungen zurück:

  • Qualitätsgefälle: Man nutzte solide Vorlagen des Hartleben-Verlags, aber auch weniger präzise Texte des Weichert-Verlags.
  • Bearbeitungsstil: Die Texte wurden meist sprachlich modernisiert, an die geltende Rechtschreibung angepasst und – ein typisches Merkmal dieser Reihe – oft erheblich gekürzt.
  • Hintergrundfigur Manfred Hoffmann: Der oft zitierte Vermerk „bearbeitet von Manfred Hoffmann“ weist keinen klassischen Übersetzer aus. Hoffmann fungierte vielmehr als engagierter „Literaturbeschaffer“, der sogar Privatbestände mobilisierte, um dem Verlag Vorlagen für die Überarbeitung zu liefern.

Wandel und Sammlerwert

Interessanterweise verzichtete der Verlag auf eine durchgehende Nummerierung der Bände. Sammler sollten zudem beachten, dass spätere Auflagen teilweise nochmals gekürzt wurden, was oft mit optischen Anpassungen bei der Einbandfarbe oder der Titelgrafik einherging. Mangels westlicher Importe avancierte diese NL-Reihe zum unangefochtenen Standardwerk und zum populärsten Verne-Zyklus der DDR-Literaturgeschichte.

. (Quelle: j-Verne.de - Andreas Fehrmann)