Golden Press New York
Golden Press (New York / Racine) – Die Konsolidierung der „Tiny Golden Library“ (ab 1958)
Die Erfassung der US-amerikanischen Miniaturbücher führt ab dem Ende der 1950er-Jahre zu einem markanten Wechsel in den Impressums- und Urheberrechtsangaben: Der Name des ursprünglichen Pionier-Verlags Simon and Schuster verschwand von den Boxen und wurde durch die Verlagsbezeichnung Golden Press, Inc. ersetzt. Quellenkritisch und wirtschaftshistorisch belegt handelte es sich hierbei nicht um ein Konkurrenzprodukt, sondern um das Resultat einer der größten verlagstechnischen Umstrukturierun-gen auf dem US-amerikanischen Nachkriegsmarkt.Am Ende des Jahres 1958 kauften die Druckerei Western Printing and Lithographing Company (die bereits von Beginn an den physischen Druck aller Golden-Books-Erzeugnisse in Racine, Wisconsin, abgewickelt hatte) und das Verlagshaus Pocket Books, Inc. gemeinschaftlich alle Rechte und Lizenzen an der Marke „Golden Books“ von Simon and Schuster auf. Für den weltweiten Exklusivvertrieb gründeten die beiden Partner das neue, eigenständige Großunter-nehmen Golden Press, Inc. (New York). Während Western Publishing weiterhin für die hochwertige Druckproduktion und die Papierkonstruktionen zuständig war, übernahm Pocket Books die weltweite Promotion und den Vertrieb.
Für die Erforschung der „Tiny Golden Library“ hat dieser historische Meilenstein eine fundamentale Bedeutung. Golden Press übernahm die Druckplatten der erfolgreichen 12er-Systemboxen von Simon and Schuster und kombinierte sie zu neuen, noch umfangreicheren Monumental-Editionen. Die bekannteste Veröffentlichung dieser Ära ist das gigantische Sammelbox-Set der „Tiny Golden Library“, welches nun stolze 36 Miniatur-Bände umfasste.Diese Luxusbox vereinte die drei historisch gewachsenen, ehemals separaten 12er-Bibliotheken als geschlossenes Gesamtsystem in einem einzigen Gehäuse:• Dorothy Kunhardt's „Tiny Animal Stories“ (12 Bände, illustriert von Garth Williams)• Dorothy Kunhardt's „Tiny Nonsense Stories“ (12 Bände, illustriert von Garth Williams)• Walt Disney's „Disneyland Stories / Tiny Movie Stories“ (12 Bände)
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Die unter dem Label Golden Press vertriebenen Hardcover-Miniaturen behielten ihr typisches, robustes Format von 80 x 110 mm bei, dokumentieren jedoch durch das veränderte Verlags-Logo die finale Phase dieser US-amerikanischen Publikationsära, bevor die Marke in den darauffolgenden Jahrzehnten global lizenziert wurde. Die Dokumentation dieser Golden-Press-Ausgaben sichert die lückenlose chronologische Kette unseres Archivs bis in die späten 1960er-Jahre ab.
Den finalen, technologischen Abschluss der amerikanischen Pappschrank-Ära markiert die im Jahr 1981 erschienene Prachtbox „Walt Disney Studio’s Tiny Theater“. Herausgegeben von Golden Press in exklusiver Lizenzkooperation mit den Walt Disney Productions, greift diese Box das historische Prinzip des dänischen Guckkasten-Theaters auf, perfektioniert es jedoch durch moderne Pop-Up-Konstruktionen. Die Vorderseite des kompakten Karton-Gehäuses besitzt zwei Flügeltüren, die wie ein schwerer Theatervorhang gestaltet sind. Beim Öffnen der Türen entfaltet sich vor dem Kind eine dreidimensionale Pop-Up-Bühne („Pop Curtain Surprise“), auf der Schneewittchen und ihre Zwerge als plastische Papier-Figuren zu sehen sind. Das Gehäuse beherbergt exakt 12 winzige Mini-Hardcover-Bücher im Format 50 x 70 mm. Inhaltlich spiegelt dieses Spätwerk die moderne Ära der Disney-Studios wider: Neben den traditionellen Märchenklassikern enthält das Set zum ersten Mal seltene zeitgenössische Filmadaptionen der Epoche, darunter „The Fox and the Hound“ (Cap und Capper) sowie „The Rescuers“ (Bernard und Bianca). Aufgrund des späten Erscheinungsdatums am Übergang zur digitalen Spielzeug-Ära gehört dieses Pop-Up-Theater heute zu den gesuchtesten Raritäten im Bereich der modernen Disneyana-Ephemera
Im Jahr 1967 brachte Golden Press eine völlig neu konzipierte Variante ihrer amerikanischen Miniatur-Bibliotheken auf den Markt: „The Golden Hours Library“. Dieses Set unterscheidet sich fundamental von den Vorkriegs-Editionen und vereint eine 12-bändige Kollektion von 24-seitigen Hardcover-Miniaturen mit einem pädagogischen Lernspielzeug. Das Gehäuse der Reihe ist quellenmäßig als sogenannte „Clock Case Box“ (Uhren-Kasten) dokumentiert. Auf der markanten Vorderseite der Box befindet sich eine große, farbenfroh illustrierte Uhr, deren Zeiger sich physisch bewegen lassen. Das Gehäuse diente den Kindern somit gleichzeitig als stabiles Buchregal und als interaktives Anschauungsobjekt, um spielerisch das Lesen der Uhrzeit zu erlernen. Die enthaltenen Bändchen setzten inhaltlich und visuell auf neue, moderne Nachkriegs-Autoren und Illustratoren, dokumentiert durch Titel wie „Hop, Little Kangaroo!“ von Patricia Scarry oder „Colors are Nice“ von Adelaide Holl. Die „Golden Hours Library“ ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie der Verlag das bewährte Schachtel-System Ende der 1960er-Jahre für den modernen Lernmittelmarkt weiterentwickelte.





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