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Meine Sammlung - Alte Kinder- und Jugendliteratur

Nordisk Papirvare Industri, Viby , Jütland

Die Editions- und Zensurgeschichte der Miniatur-Bibliotheken von Nordisk Papirvare Industri (NPI)

Die Geschichte des dänischen Verlages Nordisk Papirvare Industri (NPI) aus Viby, Jütland, markiert eines der faszinierendsten und zugleich am heftigsten umstrittenen Kapitel in der internationalen Welt der historischen Miniaturbücher. Gegründet und geleitet wurde das Unternehmen bis zu seinem Tod von Christen Frandsen (gest. 1972), der den Betrieb am 26. Juni 1945 erwarb. Neben Spielkarten, Kalendern und Kleindruckwaren spezialisierte sich NPI ab dem Ende der 1940er-Jahre auf die Produktion hochinnovativer Miniatur-Märchenbibliotheken. Diese wurden als liebevoll gestaltete Boxen ausgeliefert, in denen maximal 12 bis 14 geheftete Büchlein Platz fanden. Der Vertrieb erfolgte weltweit über führende Buchhandlungen, wobei der deutsche Markt direkt über eine Zweigstelle im schleswig-holsteinischen Eckernförde (Reeperbahn 37) bedient wurde, die unter dem Namen „Nordischer Kunstverlag“ firmierte.Die eigentliche Wiege dieser legendären Reihe lässt sich auf das Jahr 1947 datieren. 

Wie Bestände der University of Minnesota in Minneapolis belegen, erschien zu dieser Zeit ein erstes, wegweisendes Heft mit Originalillustrationen der dänischen Malerin und Illustratorin Vibeke Klemann (geb. um 1910, Ehefrau des Architekten Thyge Klemann, 1907–1979). Dieses Heft vereinte bereits jene acht zentralen Andersen-Märchen, die das visuelle Fundament der späteren Sammlungen bilden sollten: Prinsessen paa Ærten, Tommelise, Grantræet, Svinedrengen, Fyrtøjet, Den Grimme Ælling, Klods-Hans und Kejserens nye Klæder.

Dieses Heft und die Illustrationen bildeten die Grundlage für die Märchen Boxen!


Das Geheimnis der Signaturen: Wer war die Illustratorin Vibeke Klemann?

Die visuelle Seele der gesamten Heft-Produktion von Nordisk Papirvare Industri (NPI) liegt in den Händen einer einzigen Künstlerin, deren Identität auf den internationalen Exportcovern lange Zeit Rätsel aufgab: Vibeke Klemann. Ein genauerer Blick auf die verschiedenen Heft-Generationen offenbart zwei völlig unterschiedliche Signaturen, die jedoch nachweislich zu ein und derselben Person gehören und ihre biografische Entwicklung widerspiegeln.Vibeke Klemann wurde im Jahr 1916 unter dem bürgerlichen Namen Vibeke Alfelt in eine der bedeutendsten dänischen Künstlerdynastien hineingeboren. Sie war die Tochter des weltberühmten dänischen Malers Carl-Henning Alfelt, einem der Kernmitglieder der avantgardistischen „CoBrA“-Kunstbewegung. In ihren frühen Schaffensjahren der späten 1940er-Jahre signierte sie ihre grafischen Auftragsarbeiten für Christen Frandsen folgerichtig mit dem Monogramm ihres Geburtsnamens: Einem markanten „AF“ mit verlängertem Querstrich, das auf fast allen Covern der späteren Export-Editionen von 1954 und 1956 (wie bei „The Red Shoes“ oder „The Steadfast Tin Soldier“) in den Bildecken zu finden ist. Erst nach ihrer Heirat mit dem dänischen Architekten Thyge Klemann (1907–1979) wurde sie in den offiziellen dänischen Buchhandelsregistern unter ihrem Ehenamen geführt.Dass die späteren Export-Serien im Vergleich zu den dänischen Ur-Heften von 1947/1949 oft wie das Werk einer anderen Hand wirken, ist ein faszinierendes Zeugnis ihrer stilistischen Weiterentwicklung. Zwischen den ersten Entwürfen und den späten angelsächsischen Andersen-Ausgaben lag fast ein Jahrzehnt. In dieser Zeit wandelte sich Klemanns Zeichenstil von feinen, flächigen Nachkriegs-Lithografien hin zu einem deutlich dynamischeren, moderneren und skizzenhaften Strich mit kräftigen Konturlinien.Zudem veränderte der Verlag NPI Mitte der 1950er-Jahre das Layout-System fundamental: Während die frühen dänischen und deutschen Andersen-Bilder noch rahmenlos bis an die Heftränder gedruckt wurden, wurden die späten Exportbände in ein kleineres, weißes Innenfenster gezwungen, das von breiten, leuchtenden Farbrahmen (Rot, Grün, Gelb, Orange) umgeben war. Trotz dieser veränderten optischen Wirkung bleibt Vibeke Klemann – geborene Alfelt – das unangefochtene grafische Herzstück, das die Märchenwelt von NPI über alle Sprachgrenzen hinweg visuell geeint hat.


Auf Basis dieses Erfolgs brachte NPI 1948 die allererste Box mit der 1. Serie der Märchen auf den Markt. Diese besaß noch nicht die spätere Schrankform, sondern war zunächst als quadratisches Regal gestaltet, das Platz für exakt 12 Büchlein bot. Bei dieser ersten Regal-Generation setzte der Verlag auf eine aufwendige bildliche Hommage an Hans Christian Andersen, die in zwei gestalterischen Varianten produziert wurde. Während die Innenseite einen Blick in das historische Arbeitszimmer des Dichters offenbarte, unterschieden sich die beiden Varianten vor allem durch ihre Außen- und Rückseitenmotive: Die erste Variante zeigte auf der Rückseite eine feine Illustration von Andersens Geburtshaus, flankiert von zwei unterschiedlichen Seitenansichten, die das historische Gebäude aus verschiedenen Perspektiven abbildeten. Die zweite Variante des Regals präsentierte auf der Rückseite eine Statue des Dichters inmitten von spielenden Kindern in einer Parkanlage.

Vorderansicht mit 14 Büchlein

Vorderansicht leer/innen Bild vom Arbeitszimmer H.C.Andersen

1. Variante der Rückseite mit dem  Geburtshaus von H.C.Andersen

2. Variante der Rückseite mit einer Statue von H.C.Andersen und spielenden Kindern im Park

Seitenansicht Geburtshaus 1

Impressum

Seitenansicht Geburtshaus 2


Schwedische Ausgabe der 1.Box von 1948

Hier die ersten Büchlein von 1948













Erst ein Jahr später, 1949, wurden die ersten fremdsprachigen Fassungen verlegt und die geometrische Form der Boxen grundlegend verändert. Das quadratische Regal wurde von den heute weltweit bekannten, doppeltürigen Miniatur-Schränkchen abgelöst.Dieses ambitionierte verlegerische Projekt war in seiner Anfangsphase jedoch von einem massiven kulturpolitischen Skandal begleitet. Obwohl sich Christen Frandsen vor der Veröffentlichung der ersten dänischen Box mit dem Bildungs- und Kulturministerium abgesprochen hatte und von dort keine Einwände erhoben wurden, löste die radikale Textkürzung der Märchen eine heftige landesweite Zeitungsdebatte aus. In der renommierten Tageszeitung Berlingske Tidende wurde Frandsens Werk im Dezember 1949 unter anderem von Emil Frederiksen scharf als „schamlose Ausgabe von H.C. Andersens Märchen“ kritisiert. Der Protest der H.C. Andersen Gesellschaft führte schließlich dazu, dass das Bildungsministerium intervenierte und den Fall an das Droit Moral-Komitee übergab. Dieses sollte prüfen, ob 70 Jahre nach dem Tod des Autors die gesetzlichen Voraussetzungen für eine derartige Kurzfassung gegeben seien. Am Ende des Verfahrens wurde Frandsen zu einer Geldstrafe von 400 Kronen verurteilt und dazu verpflichtet, sein gesamtes Restlager zu vernichten – zu einem Zeitpunkt, als bereits 8.000 Exemplare verkauft waren. Dass er seinen Vertrieb dennoch erfolgreich fortsetzen konnte, verdankte er einer geschickten und schnellen Reaktion: Bereits 1950 brachte er eine textlich unverkürzte und damit rechtlich nicht mehr angreifbare Neuauflage mit einer Auflage von 14.000 Exemplaren heraus.Zwischen 1949 und 1956 entfaltete NPI eine impressive internationale Reichweite und verlegte die Boxen in zahlreichen europäischen Sprachfassungen. Neben den skandinavischen Ausgaben in Dänisch, Schwedisch und Norwegisch erschienen Sets auf Niederländisch sowie jeweils zwei eigenständige Boxen in englischer (31 nachgewiesene Büchlein) und französischer Sprache (32 nachgewiesene Büchlein). Für den deutschsprachigen Raum produzierte der Verlag insgesamt 27 Büchlein im Format von 50 x 75 mm mit weichem Pappeinband. Diese teilten sich auf zwei Boxen mit Märchen von Hans Christian Andersen (von denen heute 14 Titel zweifelsfrei belegt sind) sowie mindestens eine Box mit den Märchen der Brüder Grimm auf, welche die verbleibenden 13 Titel umfasste. Durch das Zusammenführen all dieser historischen Puzzleteile und die lückenlose Erfassung der deutschen Andersen- und Grimm-Heftserien schließt sich eine der größten Dokumentationslücken der europäischen Nachkriegs-Kinderliteratur.

Hier nun zunächst die deutschen Ausgaben:

Box von 1949 - Vorderansicht

geöffnete Ansicht / Impressum

Rückseite

             Seitenansicht/1+2

Box von 1954

geöffnete Ansicht / Impressum / Rückseite war gelb und leer

              Seitenansicht 1

               Seitenansicht 2

Die 14 mir vorliegenden Büchlein von 1949

Der Schweinehirt - 24 Seiten

Das Feuerzeug - 35 Seiten

Tölpelhans - 24 Seiten

Die Hirtin und der Schornsteinfeger - 28 Seiten

Die Prinzessin auf der Erbse - 11 Seiten

Das kleine Mädchen mit den Schwefel-hölzern. – 17 S.

Der fliegende Koffer - 30 Seiten

Des Kaisers neue Kleider - 23 Seiten

Der Tannenbaum, 1.Teil - 22 Seiten

Der Tannenbaum, 2.Teil - 24 Seiten

Das häßliche Entlein. Teil 1 - 26 Seiten

Das häßliche Entlein, Teil 2 - 22 Seiten

Däumelieschen 1.Teil - 20 Seiten

Däumelieschen 2. Teil - 35 Seiten

Hefte der Märchen der Brüder Grimm

König Drosselbart - 24 Seiten

 Rotkäppchen - 18 Seiten

Das blaue Licht - 24 Seiten 

Das tapfere Schneiderlein - 40 Seiten 

Daumesdick - 29 Seiten 

Der getreue Johannes - 37 Seiten 

Schneewittchen 

Der König vom goldenen Berg - 30 Seiten 

Die drei Männlein im Walde - 27 Seiten 

Die goldene Gans - 21 Seiten 

Die zwölf Brüder - 26 Seiten 

Dornröschen - 20 Seiten 

Hänsel und Gretel - 36 Seiten 



Der Sprung über den Atlantik: Die amerikanische NPI-Exportbox von 1950

Das Jahr 1950 markiert den Beginn der globalen Expansion von Nordisk Papirvare Industri (NPI). Kaum hatte Verlagsleiter Christen Frandsen die unzensierten Märchen-Neuauflagen im dänischen Viby stabilisiert, visierte er den kaufkräftigen Markt in Übersee an. Die für den US-amerikanischen Markt produzierten englischsprachigen Boxen weisen auf ihrer Unterseite eine hochinteressante, historisch verbriefte Vertriebskombination auf: Neben dem klassischen Verlagsvermerk „NPI Inc. Viby Jutland Denmark“ findet sich dort der Aufdruck „SVEND JENSEN OF DENMARK, 1010 Boston Post Rd. Rye, N.Y.“. Hinter diesem Namen verbirgt sich kein dänischer Illustrator, sondern eine feste Größe des transatlantischen Nachkriegshandels. Das Familienunternehmen Svend Jensen of Denmark Inc. siedelte um 1950 von Dänemark nach New York um und etablierte sich an der New Yorker Boston Post Road als einer der führenden US-Großimporteure für gehobenes skandinavisches Kunsthandwerk, Glaswaren und feines Porzellan. Zwischen NPI und Svend Jensen bestand ein Exklusivvertrag: Jensen übernahm als Generalvertrieb den Import und die Distribution der dänischen Miniaturbücher auf dem amerikanischen Kontinent. Diese amerikanische Erstausgabe von 1949 wurde im bekannten NPI-Split-System vertrieben, bei dem längere Andersen-Klassiker auf mehrere Bändchen aufgeteilt wurden. 

Vorderansicht

geöffnete Ansicht/Impressum

Rückseite

Seitenansicht/1+2




Die Veröffentlichungsgeschichte der englisch-amerikanischen Ausgaben („Fairy Tales“) erstreckte sich über fast ein Jahrzehnt und verlief in drei historisch und inhaltlich klar voneinander getrennten Wellen:

Box 1 (1949) – H.C. Andersen (1. Serie):Die erste Box von 1949 war ausschließlich den bekanntesten Märchen von Hans Christian Andersen gewidmet. Sie enthielt exakt 14 Bändchen:• Thumbelisa, Part 1 & Part 2 (Däumelieschen)• The tinder box (Das Feuerzeug)• The Emperor's new clothes (Des Kaisers neue Kleider)• Ugly duckling, Part 1 & Part 2 (Das häßliche Entlein)• The little match girl (Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern)• The real princess (Die Prinzessin auf der Erbse)• Numskull Jack (Tölpelhans)• The fir tree, Part 1 & Part 2 (Der Tannenbaum)• The flying trunk (Der fliegende Koffer)• The little Swine-herd (Der Schweinehirt)• The shepherdess and the chimney-sweep (Die Hirtin und der Schornsteinfeger

Die 14 Büchlein der Box von 1949 die mir vorliegen (englischer und deutscher Titel)


Thumbelisa part 1 - Däumelieschen 1.Teil

Thumbelisa part 2 - Däumelieschen 2.Teil

The tinder box - Das Feuerzeug

The Emperor's new clothes - Des Kaisers neue Kleider

Ugly duckling part 1 - Das häßliche Entlein. Teil 1

Ugly duckling part 2 - Das häßliche Entlein. Teil 2

The little match girl - Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern

The real princess - Die Prinzessin auf der Erbse

Numskull Jack - Tölpelhans

The fir tree part 1 -Der Tannenbaum, 1.Teil

The fir tree part 2 -Der Tannenbaum, 2.Teil 

The flying trunk - Der fliegende Koffer

The little Swine-herd - Der Schweinehirt

The shepherdess and the chimney-sweep - Die Hirtin und der Schornsteinfeger


Box 2 (1954) – Brüder Grimm: Fünf Jahre nach dem erfolgreichen US-Start erweiterte NPI das englische Sortiment im Jahr 1954 um eine eigenständige Box mit den Märchen der Brüder Grimm. Diese Ausgaben nutzten oft sehr charakteristische, historische Titel-Übersetzungen und umfassten die folgenden 13 Hefte:• Faithful John (Der getreue Johannes)• Hansel and Grettel (Hänsel und Gretel)• King Grisly-Beard (König Drosselbart)• Little Red Riding Hood (Rotkäppchen)• Rose-Bud (Dornröschen)• The Giant and the Tailor (Das tapfere Schneiderlein)• Snow-Drop (Schneewittchen)• The Golden Goose (Die goldene Gans)• The King of the Golden Mountain (Der König vom goldenen Berg)• The Three Dwarfs in the Wood (Die drei Männlein im Walde)• The Twelve Brothers (Die zwölf Brüder)• Tom Thumb (Daumesdick)• The Blue Light (Das blaue Licht)

Vorderansicht

geöffnete Ansicht/Impressum

              Seitenansicht 1

               Seitenansicht 2

Die 13 Büchlein der Box von 1954 die mir vorliegen (englischer und deutscher Titel)

Faithful John (Der getreue Johannes)

Hansel and Grettel (Hänsel und Gretel)

King Grisly-Beard (König Drosselbart)

Little Red Riding Hood (Rotkäppchen)

Rose-Bud (Dornröschen)

The Giant and the Tailor (Das tapfere Schneiderlein)

Snow-Drop (Schneewittchen)

The Golden Goose (Die goldene Gans)

The King of the Golden Mountain (Der König vom goldenen Berg)

The Three Dwarfs in the Wood (Die drei Männlein im Walde)

The Twelve Brothers (Die zwölf Brüder)

Tom Thumb (Daumesdick)

The Blue Light (Das blaue Licht)


Box 3 (1956) – H.C. Andersen (2. Serie): Im Jahr 1956 schloss NPI das englischsprachige Kapitel mit einer zweiten Andersen-Box ab. Sie diente dazu, weitere, im Ausland seltener verlegte Erzählungen des Dichters zugänglich zu machen, und enthielt nachweislich 14 Bände (darunter zwei bisher gesuchte Fehlteile):• It's perfectly true (Das ist wirklich wahr)• Little Ida's flowers (Die Blumen der kleinen Ida)• Ole Lukoie, Part 1 & Part 2 (Ole Luk-Oie)• The darning needle (Die Stopfnadel)• The happy family (Die glückliche Familie)• What the old man does is always right (Wie's der Alte macht, ist's immer richtig)• The nightingale (Die Nachtigall)• The jumpers (Die Springer)• The old house (Das alte Haus)• The wild swans, Part 1 & Part 2 (Die wilden Schwäne)• The red shoes (Die roten Schuhe)• The steadfast tin soldier (Der standhafte Zinnsoldat)• The snow Queen, Part 1 & Part 2 (Bisher fehlende Bände / Die Schneekönigin)


Vorderansicht

geöffnete Ansicht/Impressum

            Seitenansicht 1

            Seitenansicht 2

Das Geheimnis der Schrank-Signatur: Der Illustrator Frisone

Während die Innenillustrationen der kleinen Heftchen ausnahmslos aus der Feder von Vibeke Klemann stammten, verpflichtete Verlagsleiter Christen Frandsen für die repräsentative Außengestaltung der doppelaufklappbaren Pappschränkchen einen eigenen Künstler. Unten links auf der reich illustrierten Vorderseite befindet sich die feine, handschriftliche Signatur des dänischen Grafikers und Lithografen Frisone. Mit seinem warmen, farbintensiven Pinselstrich schuf er das ikonische Hauptmotiv der Serie, welches Hans Christian Andersen beim Vorlesen im Kreise dreier Kinder vor einer verträumten Schlosskulisse zeigt. Frisones markante Werbegrafik prägte das Gesicht der NPI-Märchenbibliotheken über alle internationalen Sprachgrenzen hinweg und sorgte für den hohen Wiedererkennungswert im Spielwaren- und Buchhandel der 1950er-Jahre.

Die 11 Büchlein der Box von 1956 die mir vorliegen (englischer und deutscher Titel)

It's perfectly true - Das ist wirklich wahr

Little Ida's flowers - Die Blumen der kleinen Ida

Ole Lukoie part 1 - Ole Luk-Oie

Ole Lukoie part 2 -Ole Luk-Oie 

The darning needle - Die Stopfnadel

The happy family - Die glückliche Familie

What the old man does is always right - Wie's der Alte macht, ist's immer richtig

The nightingale - Die Nachtigall oder auch "Des Kaisers Nachtigall"

The jumpers - Die Springer

The old house - Das alte Haus

The wild swans part 1 - Die wilden Schwäne

The wild swans part 2 - Die wilden Schwäne

The red shoes - Die roten Schuhe

The steadfast tin soldier - Der standhafte Zinnsoldat



The snow Queen part 1 (fehlt) - Die Schneekönigin



The snow Queen part 2 (fehlt) - Die Schneekönigin

Dass NPI hierbei ein streng rationalisiertes, internationales Drucksystem nutzte, beweist der direkte Abgleich mit den parallelen französischen Export-Boxen („Contes“) derselben Epoche, wie sie auch im Bildarchiv dokumentiert sind. Beide Sprachfassungen teilen sich exakt die gleichen, ausdrucksstarken grafischen Einbände. Das liebevoll gestaltete Innere der Boxen bricht bei dieser Exportwelle gezielt mit den rein dänischen Motiven: Es zeigt beim Öffnen der Flügeltüren das prachtvolle Bild eines Königs im Hermelinmantel, der neugierig durch das Schlüsselloch eines monumentalen Barockschranks späht. Die US-Variante von Svend Jensen ist heute ein herausragendes Dokument dafür, wie dänisches Papierspielzeug im Herzen der amerikanischen Nachkriegs-Moderne Einzug hielt.


Die französischen Boxen (CONTES)

Box 1 - 1949

Vorderansicht

geöffnete Ansicht/Impressum

Rückseite

           Seitenansichten


Hier die 14 Büchlein die mir vorliegen

La petite Poucette T1

La petite Poucette T2

Jean Malotru

La bergère et le ramoneur

Le briquet

Le vilain petit canard T1

Le vilain petit canard T2

La petite fille aux allumettes

La princesse sur le pois

Le coffre volant

Le petit porcher

Les habits neufs de l'Empereur

Le sapin T1

Le sapin T2


Box 2 - 1956 

Vorderansicht

geöffnete Ansicht/Impressum

               Seitenansicht 1

               Seitenansicht 2


Die 14 Büchlein die mir vorliegen

La fermeté du soldat de plomb

C'est tout à fait sûr

Ce que fait le patron est toujours bien fait

La vieille maison

L'aiguille à repriser

Le concours de saut

Le rossignol



Les fiancés (fehlt)



L'heureuse famille (fehlt)

Les cygnes sauvages T1

Les cygnes sauvages T2

Les fleurs de la petite Ida

Les souliers rouges

Ole Ferme-l'Œil T1

Ole Ferme-l'Œil T2



La Reine des Neiges T1 (fehlt)



La Reine des Neiges T2 (fehlt)


Als nächstes die niederländische Box (Sprookjes) (1949)





Die 14 mir vorliegenden Büchlein 

De prinses op de erwt

De nieuwe kleren van de keizer

De denneboom (1)

De denneboom (2)

Domme Hans

De varkenshoeder

De vliegende koffer

Duimelijntje 1

Dulmelijntje 2

Het vuurslag

Het herderinnetje en de schoorsteenveger

Het meisje met de zwavelstockken

Het lelijke jonge eendje (1)

Het lelijke jonge eendje (2)

Die schwedische Ausgabe (SAGOR)1949

Vorderansicht

geöffnete Ansicht

Rückseite

               Seitenansichten

Die mir vorliegenden Büchlein

Den fula ankungen (1)

Den fula ankungen (2)

Den flygande Kofferten

Den lilla flickan med svavelstick-orna

Domme Hans

Granen Teil 1

Granen Teil 2

Elddonet

Herdinnan och Sotaren

Tummelisa Teil 1

Tummelisa Teil 2

Svinaherden

Kejsarens nye Kläder

Prinsessan pa ärten


Die dänische Ausgabe (Eventyr). 1949

Vorderansicht

geöffnete Ansicht/Impressum

Rückseite

              Seitenansichten

Die Büchlein die mir vorliegen 

Den Grimme Aelling 1

Den Grimme Aelling 2

Den flyvende Kuffert

Den lille pige med svosistikkerne

Fyrtojet

Grantaeet (1)

Grantaeet (2)

Hyrdinden og skorstensfejeren

Kejserens nye Klaeder

Klods Hans

Tommelise 1

Tommelise 2

Svinedrengen

Prinsessen pa aerten

H.C. Andersens Eventyr: Die norwegische Sprachfassung von 1951

Neben den bekannten dänischen und deutschen Editionen weitete der dänische Verlag Nordisk Papirvare Industri (NPI) aus Viby, Jütland, seine Produktion zu Beginn der 1950er-Jahre auch auf den norwegischen Markt aus. Die im Jahr 1951 erschienene Serie ist ein faszinierendes Zeugnis der skandinavischen Zusammenarbeit der Nachkriegszeit. Für die Textübertragung konnte der Verlagsleiter Christen Frandsen die bekannte norwegische Kinderbuchautorin Eugenie Geelmuyden Winther (1901–1975) gewinnen. Obwohl die winzigen Heftchen heute in Sammlerkreisen als extrem rar gelten und die dazugehörigen Schränkchen fast vollständig vom Markt verschwunden sind, lässt sich die Serie durch Archivfunde historisch präzise dokumentieren

Titelliste und Ausstattung des norwegischen Pappschränkchens

Die norwegische Ausgabe wurde im typischen NPI-Miniaturformat von 50 x 75 mm mit weichem Pappeinband gedruckt. Da der Verlag seine lizenzierten Reihen strikt nach einem einheitlichen System gliederte, umfasst der norwegische Komplettsatz nachweislich exakt 12 Bände.Bisher konnten im Archiv 10 der 12 Hefte dokumentiert werden:• Den stygge Andungen, Teil 1 (Das häßliche Entlein)• Den stygge Andungen, Teil 2• Fyrtøyet (Das Feuerzeug)• Kloss-Hans (Tölpelhans)• Piken med fyrstikkerne (Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern)• Den flygende Kofferten (Der fliegende Koffer)• Hyrdinnen og skorsteinsfeieren (Die Hirtin und der Schornsteinfeger)• Keiserens nye Klæder (Des Kaisers neue Kleider)• Tommelise, Teil 1 (Däumelieschen)• Tommelise, Teil 2. 

Die vergessene norwegische Box (Eventyrskab) : Die 12 norwegischen Bändchen wurden nicht einzeln, sondern als geschlossenes Set in der damals neu eingeführten 2. Generation der NPI-Verpackungen ausgeliefert. Hierbei handelte es sich um ein liebevoll gestaltetes, doppeltüriges Miniatur-Schränkchen aus bedruckter Graupappe.











Hier fehlen nun noch zwei Büchlein: 1. Svinedrengen (Der Schweinehirt) und 2. Prinsessin pa Erten (Die Prinzessin auf der Erbse)

Die Sonderausgabe

1952 gab es eine Sonderausgabe mit einer Sparbüchse und einem Drehtheater. Diese außergewöhnliche Sonderausgabe von 1952 ist ein verlagshistorischer Höhepunkt von Nordisk Papirvare Industri (NPI). Sie verbindet auf geniale Weise das klassische Miniaturbuch-Konzept mit den damals boomenden Papierspielzeug-Trends der Nachkriegszeit. In den dänischen Originalregistern (Dansk Bogfortegnelse) von 1952 ist dieses Set exakt verzeichnet. Es belegt die verlegerischen Hintergründe dieser Rarität lückenlos. 


Faktencheck und bibliografische Details zur Sonderausgabe 

Der Originaltitel: Das Set wurde im skandinavischen Raum unter dem dreifachen Funktionstitel vermarktet: „Sagobibliotek – Liten Teater – Sparbössan“ (schwedisch) bzw. „Fairy Tale Library – Tiny Theatre – Treasure Chest“ (englisch).Der Preis damals: Laut dänischem Buchhandelsregister kostete die gesamte Box im Jahr 1952 genau 6,75 Dänische Kronen (DKK). Für ein damaliges Kinderspielzeug war dies eine gehobene Preiskategorie, was die Seltenheit der Boxen heute erklärt.


Sagobibliotek - Liten Teater - Sparbössa

Fairy Tale Library - Tiny Theatre - Treasure Chest



Drehscheibe des Theaters

Rückseite der Box

Die Funktionsweise der Box (Sparbüchse & Drehtheater)


Die Maße von 180 mm x 185 mm x 62 mm weichen drastisch von den kleinen Standardschränken ab. Die Box war als rechteckiger, massiver Karton-Korpus konstruiert, der drei Funktionen in sich vereinte:

  • Das Buchlager: An den Seiten oder im Sockel der Box befanden sich die Einschubfächer für die 12 Miniaturbücher, die nach dem bekannten Split-System (Teil 1 und Teil 2 bei längeren Geschichten) aufgeteilt waren.
  • Das Drehtheater (Liten Teater): Auf der Vorderseite befand sich eine ausgestanzte Guckkasten-Bühne. Über eine mechanische Drehscheibe an der Unter- oder Rückseite der Box konnten die Kinder die Kulissen im Inneren weiterdrehen. So ließen sich die Szenen der Märchen (wie Das hässliche Entlein oder Das Feuerzeug) passend zum Vorlesen der Mini-Hefte visuell „abspielen“.
  • Die Sparbüchse (Sparbössa / Treasure Chest): Im Inneren des Gehäuses war ein separates Fach mit einem Geldeinwurfschlitz integriert. Die Box diente im Kinderzimmer somit gleichzeitig als dekorative Spardose


The little Match-Girl

The Shepherdess and the Chimney-Sweep

The little Swineherd

The Ugly Duckling (1)

The Ugly Duckling(2)

The Emperor's new clothes

Den lilla flickan med svavelstickorna

Herdinnan och sotaren

Svinaherden

Den fula ankungen (2)

Kejsarens nya kläder

The Real Princess

The fir tree (1)

The fir tree (2)

The Flying Trunk

The Tinder Box

Numskal Jack

Prinsessan pa aerten

Granen (1)

Granen (2)

Den flygande kofferten

Elddonet

Domme Hans

In den Heften selbst griff Verlagsleiter Christen Frandsen auf die bewährten und meisterhaften Originalillustrationen von Vibeke Klemann zurück, die bereits das Fundament der Schränkchen-Serien bildeten. Internationale Archiv-Kataloge führen hierzu oft fälschlicherweise die dänische Künstlerin Ingeborg Strange-Friis auf – ein bibliografischer Irrtum, der durch eine Verwechslung im dänischen Buchhandelsregister von 1950 entstand, wo ein zeitgleiches Großbuch des Skandinavisk Bogforlag direkt neben der NPI-Miniaturbox gelistet war. Die Hefte der Theater-Box sind grafisch vollkommen identisch mit den regulären Auflagen.

Der weltweite Export dieses Modells lässt sich bis heute eindrucksvoll belegen: 

Während die schwedische Ausgabe („Sagor“) den skandinavischen Markt bediente, wurde die englischsprachige Version über globale Handelswege bis in die entlegensten Regionen des britischen Commonwealth exportiert. Ein makellos erhaltenes Exemplar dieser englischen Fassung wird heute als kulturhistorisches Zeugnis im renommierten „Museum of New Zealand“ (Te Papa Tongarewa) in Wellington als Teil der dortigen Spielzeuggeschichte bewahrt. Die in diesen Sonderboxen enthaltenen 12 Bände spiegeln das klassische NPI-Auswahlsystem wider, bei dem längere Erzählungen in zwei Hefte aufgeteilt wurden: 

Englischsprachige Bestückung:• The little Match-Girl (Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern)• The Shepherdess and the Chimney-Sweep (Die Hirtin und der Schornsteinfeger)• The little Swineherd (Der kleine Schweinehirt)• The Ugly Duckling, Teil 1 (Das häßliche Entlein)• The Ugly Duckling, Teil 2• The Emperor's new clothes (Des Kaisers neue Kleider)• The Real Princess (Die Prinzessin auf der Erbse)• The fir tree, Teil 1 (Der Tannenbaum)• The fir tree, Teil 2• The Flying Trunk (Der fliegende Koffer)• The Tinder Box (Das Feuerzeug)• Numskal Jack (Tölpelhans)

Schwedischsprachige Bestückung:• Den lilla flickan med svavelstickorna• Herdinnan och sotaren• Svinaherden• Den fula ankungen, Teil 1• Den fula ankungen, Teil 2• Kejsarens nya kläder• Prinsessan på ärten• Granen, Teil 1• Granen, Teil 2• Den flygande kofferten• Elddonet• Domme HansAufgrund der komplexen Papp-Konstruktion, die durch das Bespielen mit der Theater-Drehscheibe und den Einwurf von Münzen extremen mechanischen Belastungen ausgesetzt war, haben nur minimale Stückzahlen dieser Luxusboxen die Jahrzehnte überstanden. Sie gelten heute als die unangefochtenen Kronjuwelen einer jeden internationalen NPI-Sammlung.

Die internationale Erfassung dieser außergewöhnlichen Drehtheater-Reihe führt schließlich zu einer wichtigen, quellenmäßig abgesicherten Erkenntnis für die weltweite Publikationsgeschichte von Nordisk Papirvare Industri: 

Diese hochkomplexe Luxus-Sonderausgabe von 1952 wurde nachweislich ausschließlich in der englischen und der schwedischen Sprachfassung produziert. Es existieren weltweit keine eigenständigen Theater-Boxen in französischer, niederländischer oder deutscher Sprache. Der Grund für diese strikte Limitierung lag in den enormen Produktionskosten. Während die kleinen Standardschränke günstig für den Massenmarkt produziert werden konnten, war die „Teater“-Box ein aufwendiges, mechanisches Konstruktionsspielzeug. Der dänische Ladenpreis von 6,75 Dänischen Kronen war für die damalige Nachkriegszeit so hoch, dass Verlagsleiter Christen Frandsen das finanzielle Risiko für kleinere Exportmärkte bewusst mied. Das aufwendige Gehäuse aus Kopenhagener Kartonagen-Fertigung wurde nur für die kaufkräftigsten Großmärkte aufgelegt: Schweden als wirtschaftlich starker skandinavischer Nachbar und der weltweite englischsprachige Markt, über dessen Commonwealth-Handelsrouten die Boxen bis nach Übersee gelangten. Bemerkenswert ist hierbei, dass selbst für den dänischen Heimatmarkt keine eigene Sprachversion dieser Box existierte. Dies belegt ein Blick in das offizielle dänische Urheberrechts- und Pflichtexemplarregister (Dansk Forfatterleksikon): Christen Frandsen reichte 1952 bei der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen das schwedische Export-Set („Sagor“) als gesetzliches Belegexemplar ein, da für den dänischen Markt überhaupt keine länderspezifischen Theater-Gehäuse bedruckt wurden. Dänische Kinder mussten im Spielwarenladen somit ebenfalls auf die schwedische oder englische Box zurückgreifen. Für die Dokumentation dieser außergewöhnlichen NPI-Sonderausgabe bedeutet dies eine wertvolle sammlerische Gewissheit: Mit dem Nachweis und dem vorliegenden Bildmaterial der schwedischen und der englischen Variante ist dieses Kapitel der europäischen Spielzeugliteratur auf unserer Seite bereits weltweit vollständig und lückenlos erfasst.




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